Usbekistan – Zauber aus Tausendundeiner Nacht

Unsere Mitgliederreise vom 4. bis zum 13. Oktober 2012

Die Bankreisebegleitung:

  • Marlies Fürstenberg

Usbekistan hat eine vielfältige Geschichte, die mit den Nomaden und den sesshaften Bauern beginnt. Das Land ist geprägt durch griechische Einflüsse aus dem Alexanderreich, buddhistische Einflüsse aufgrund der Verbindung zu Indien durch seine Lage an der Seidenstraße, islamische Einflüsse aus der Zeit der arabischen Eroberungen …

Wer den Orient und seine imposante Baukunst liebt, wird von Usbekistan begeistert sein – und sich wundern: denn obwohl Moscheen und Minarette in höchster Vollkommenheit ihre Besucher in den Bann ziehen, ist doch kein Muezzin zu hören. Seine Rufe zum Gebet sind in Usbekistan nämlich verboten. Wir begegnen freundlichen Menschen mit russischem oder mongolischem Einschlag, unverschleiert und westlich gekleidet.

Wir hatten Glück, dass unsere Reise in der richtigen Reihenfolge erfolgte. So konnten wir die Highlights der Einzigartigkeit nach bestaunen: Taschkent, Samarkand, Buchara und schließlich Chiwa, das als Glanzstück einer Usbekistanreise gilt.

In Taschkent nahm uns unser Reiseleiter auf dem Flughafen in Empfang, nachdem wir die relativ strengen Zollkontrollen über uns ergehen lassen hatten. Dimitriy ist ein gebürtiger Usbeke, der in Samarkand Germanistik studierte und seitdem als deutschsprachiger Reiseleiter unterwegs ist. Von Beginn an waren wir begeistert von ihm. Dimitriy erledigte das Einchecken in den verschiedenen Hotels und hatte stets einen Rucksack voller Geld – So'm – für uns dabei. Jeder konnte nach Bedarf tauschen, da überwiegend in der einheimischen Währung bezahlt wurde.

Die Hauptstadt Usbekistans mit ihren 2,4 Millionen Einwohnern ist noch immer eine russische Stadt, geprägt vor allem durch die sowjetische Architektur der 1970er Jahre. 1966 musste Taschkent nach einem verheerenden Erdbeben wieder aufgebaut werden. Am Nachmittag ging es weiter nach Samarkand, einer der ältesten Städte der Welt.

Samarkand strotzt nur so von wunderschönen, arabischen Gebäuden. Überall sahen wir feinste Mosaike, die in Farbe und Muster immer wieder einen neuen Höhepunkt setzten – so die blaue Front des Gur-Emir-Mausoleums, die 44 m hoch aufragende, in strahlendem Blau geflieste Kuppel der Bibi-Hanim-Moschee oder die feinen türkisblauen Ornamente. Überhaupt waren die Gebäude von den Farben Blau und Sand dominiert, was eine hervorragende Mischung aus Himmel und Boden ergab. Nach einer Weinverkostung in einer Weinkellerei waren wir bei einer Familie zum Abendessen eingeladen. Die Hausfrau empfing uns und lud an den reichlich gedeckten Tisch. Alle genossen die Speisen und vor allem den schmackhaften Plow.

Von Samarkand fuhren wir in die Heimatstadt von Amir Timur, die Gräberstadt Shahrisabz. Vielleicht stellt man sich darunter ganz banal einen Friedhof vor – doch weit gefehlt! Hier bummelt der Besucher durch eine lange, schmale Passage, links und rechts flankiert von imposanten Portalen. Absolut sehenswert! Das ganze Ensemble ist Weltkulturerbe.

Dann ging es weiter nach Buchara – eine Stadt wie aus Tausendundeiner Nacht. In den Gassen der Altstadt ist die Vergangenheit heute noch fühlbar. So bestaunten wir die Char-Minar, einen eindrucksvollen Bau mit vier blauen Kuppeln, wunderschöne Teppiche und den Innenhof der Medrese-Mir-i-Arab, der bei Sonnenuntergang besonders traumhaft ist. In den schmalen Gassen der Altstadt erlebten wir das gemütliche Leben der Bewohner dieser einzigartigen Stadt, die trotz der sowjetischen Herrschaft eine durch und durch orientalische Stadt geblieben ist.

Nach einer ganz besonders langen, staubigen Fahrt durch die Wüste Kysylkum – öde und trostlos, mehr Steppe als Wüste – kamen wir in Chiwa an: gerade bei untergehender Sonne. Die über 2500 Jahre alte Stadt war früher Hauptstadt des im Jahre 1511 gegründeten, gleichnamigen Khanats in Choresm. Herzstück von Chiwa ist die innerhalb der 2,2 km langen Stadtmauer gelegene Altstadt (Itchan Kala). Hier leben etwa 2000 der 40.000 Einwohner Chiwas. In der Altstadt fällt dem Besucher sofort das abgeschnittene Minarett auf: Kalta Minor. 1852 errichtet, sollte es einmal über 70 m hoch und somit das höchste Minarett der islamischen Welt werden. Es gibt zwei Erklärungen dafür, warum es nie höher als die gegenwärtigen 26 m geworden ist. Die erste geht davon aus, dass die Bauarbeiten nach dem Tod des Khans Medamin abgebrochen wurden. Die zweite besagt, dass der Architekt heimlich dem Bau eines noch größeren Minaretts in Buchara zugestimmt hatte und für seinen Verrat vom Kalta Minor gestoßen wurde.

Die usbekische Küche, aus der kargen Steppe hervorgegangen, könnte man als deftige Hausmannskost bezeichnen – und tatsächlich entpuppt sich das Essen als schlicht und unauffällig. So ist Plow – ein stundenlang nach alter Tradition gekochtes Eintopfgericht aus Hammelfleisch (wir bekamen aber Rindfleisch) und diversen Gemüsesorten – ebenso allgegenwärtig wie Nudelsuppe. Wer Schaschlik bestellt, bekommt Fleisch pur auf seinen Spieß – als ganze Stücke oder als Hackfleischbällchen, teilweise sehr fett.

Achtung Baumwollöl! Eine Besonderheit der usbekischen Küche ist das Kochen, Braten, Frittieren und Backen mit Baumwollöl. Man schmeckt es nicht, aber man spürt es. Garantiert! Allerdings erst, wenn’s dann im Bauch schon grummelt.

Die elf Tage vergingen wie im Flug. Allen Teilnehmern hat die Reise sehr gut gefallen und alle sind begeistert zurückgekehrt – mit vielen schönen Erinnerungen an ein Land, das vor vielen hundert Jahren das Herz der legendären Seidenstraße darstellte.